"Anekdötchen" aus meinem Berufsleben

 

Nach der ersten "Einkleidung"  

am 8. Mai 1959 in Linnich

- das Koppelschloss sitzt nicht ganz "kommod" -   

und der Spieß hätte seine helle Freude daran gehabt!   

 

 

 

 

Auf dieser Seite werde ich in zeitlicher Abfolge wahre Begebenheiten aus meinem Berufsleben bei der "Schupo" und "Kripo" in zum Teil humorvoller Weise präsentieren.

 

Die Namen beteiligter Personen wurden durch fiktive Namen ersetzt.  

Die  Örtlichkeiten dagegen entsprechen der damaligen Realität.

 

Copyright:   *** siehe Impressum ***

 

Bisher geschrieben: 

6. NEU Der erste
Anrufbeantworter
in der Behörde
(2 Begebenheiten)

5. Eigene und kuriose Verkehrsunfälle mit Dienstkraftfahrzeugen
(2 Begebenheiten)
4. Mißverständliche Dialoge zwischen Bürger und Polizei
(2 Begebenheiten)
3. Informant bringt mich in "Schwulitäten"
2. Mißlungene "Reform" des offiziellen Presseberichtes der Polizeibehörde
1. Eine "Schickermannstour" der besonderen Art

 

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6.               

Ein Anrufbeantworter (kurz: AW) und seine "Erlebnisse" ......     

      

Noch Anfang der 70er Jahre war ein Anrufbeantworter (oder wie ich immer zu sagen pflegte: "automatische Oma") bei meiner Behörde ein Fremdwort. Beschaffungsanträge meinerseits wurde jahrelang "abgeschmettert", u.a. auch mit dem Hinweis: ".... dafür haben wir doch entsprechende Angestellte..." und weiterhin wurden meine Anrufer bei meiner Abwesenheit im Präsidium "herumgereicht" (damals noch per Handvermittlung!!).

 

Da ich zu dieser Zeit mit einem großen Bierhersteller in Duisburg i.S. Sicherheitstechnik über längere Zeit permanent in Kontakt stand und mich der Leiter Orga und Technik kaum telefonisch erreichen konnten, bot man mir einen ausgelagerten AW als zeitlich begrenzte Leihgabe an. Nach "Rückversicherung" bei meiner Behörde nahm ich dieses Angebot an. 

 

Sogar die behördeneigenen "Strippenzieher" -gemeint ist hier das Sachgebiet IV (S IV), verantwortlich für Funk, Telefon etc.- zogen mit und schlossen diesen sprachgesteuerten (modernste Technik damals!) AW zügig an meinen Anschluss an.

 

Kleine Anmerkung am Rande:

Dieser AW (von den Ausmaßen ein Monstrum) hatte per Tonbandspule eine enorme Aufzeichnungskapazität, besaß ein Zählwerk und war sprachgesteuert (für den techn. Laien heißt das: solange der AW beim Aufzeichnen Geräusche wie Sprache etc. wahr nimmt, schaltet er nicht ab!!!).

 

Dieser "neumodische Kram" sprach sich nach dessen Anschluss wie ein Lauffeuer im Präsidium bzw. in der gesamten Behörde herum. In den ersten Tagen zeigte mir das Zählwerk des AW täglich nach Rückkehr von Außenterminen bis zu 30 bis 50 Anrufe an.  

 

Allerdings wurden so gut wie keine Gespräche aufgezeichnet, da nach dem Anhören meines Ansagetextes (streng nach postalischen Richtlinien und nicht so "locker" wie heute üblich!!) meistens sofort wieder aufgelegt wurde.  

 

Manchmal wurde jedoch noch ein Lachen oder eine "lästerliche Bemerkung" vor dem Auflegen des Telefonhörers aufgezeichnet. Nach etwa einer Woche war dieser AW bei meinen Kollegen "anerkannt" und die "Neugieranrufe" ließen schlagartig nach.

 

Nun aber zu zwei erwähnenswerten "Erlebnissen" mit diesem AW:

 

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 Erlebnis 1: 

... die Folgen einer sprachgesteuerten Aufzeichnung 

 

Zwischen dem Sachgebiet IV (Technik bei der Polizei) und meiner Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle "krieselte" es häufig.

Der dort tätige Polizeihauptmeister (PHM) "X", verantwortlich u.a. für die Aufschaltung sog. Polizeinotrufanlagen, war der irrigen Auffassung, dass ich ihm in dieser Angelegenheit "Kompetenzen abgraben" würde. Meine Aufgabe bestand lediglich laut Vorgabe meiner Behörde darin, dass ich bei Vorliegen eines Antrages auf "Aufschaltung auf den Polizeinotruf" die Bedürftigkeit bzw. auch Notwendigkeit einer Aufschaltung des Antragstellers zu prüfen hatte und dieserhalb strenge Maßstäbe anlegen musste.

So erfolgte einmal bei meiner Abwesenheit ein Anruf von dem besagten Kollegen und meine "automatische Oma" zeichnete bestimmungsgemäß dieses Gespräch auf .......

 

Bei meiner Rückkehr wunderte ich mich, dass nur ein Gespräch aufgezeichnet worden war, aber etliche Meter der Tonbandspule abgelaufen waren. Also eine lange, sehr lange Aufzeichnung!!  

 

Beim Abspielen des Bandes geriet ich dann aber völlig "von der Rolle", denn der Kollege "X" ließ sich in epischer Breite über das "A.... von der Kripo", "...diesem jungen Schnösel und Besserwisser", "...der da meint, mir in meine Sachen hinreden zu können", "...wenn man ihn braucht, ist er nicht da...", "typisch Kripo" usw. usw. aus.

 

WAS war da passiert?? Vom Band konnte ich hören, dass der anrufende "liebe Kollege" zum Zeitpunkt seines Anrufes zu mir von einem seiner Mitarbeiter aufgesucht wurde und dann wohl vergessen hat, den Hörer aufzulegen.

   

Zwischen diesen beiden entwickelte sich dann das Gespräch "über den Rieger" und der AW zeichnete bestimmungsgemäß "alle Geräusche" auf!!!

 

Meine erste "Impulsivreaktion" war, zwei Etage tiefer "rasen" und diesem Kollegen "die Fresse polieren"!

 

Nach einer "Beruhigungszigarette" suchte ich jedoch meinen unmittelbaren Vorgesetzten Kriminaldirektor "H" auf. Dieser hörte sich das aufgezeichnete Gespräch zuerst ruhig, dann aber immer erregter an seiner Zigarre ziehend und mit hochrotem Kopf, an.

Danach ein kurzer "Kriegsrat" (sofort zum Behördenleiter? oder erst zum Leiter Schutzpolizei? oder erst den Kollegen damit konfrontieren? ) ..........  

Wir entschieden uns für das Letztere!  

 

Ich also zwei Etagen runter zum Büro des besagten Kollegen "X", kurz angeklopft, eingetreten und sinngemäß folgende Worte gebraucht ..... 

"Moin Kollege, hier ist das A... von der Kripo. Kannst auch Schnösel sagen.... habe alles auf Band"!  

Dem Kollegen entgleisten im wahrsten Sinne des Wortes alle Gesichtszüge und es fehlten ihm buchstäblich die Worte.  

Nachdem er sich gefangen hatte, war seine erste Äußerung, dass ich "verbotswidrig sein gesprochenes Wort ohne sein Einverständnis" aufgezeichnet hätte.

Bla bla bla ........

 

Ersparen sie mir die Wiedergabe des nun folgenden Dialoges (hart aber herzlich)! Der liebe Kollege "X" sah seine eigene Dusseligkeit ein, bat zerknirscht um Entschuldigung und war erst richtig erleichtert, als ich ihm versprach, diese Angelegenheit nicht an die "große Glocke" zu hängen.

 

Fazit:

Mir wurden in der Folgezeit seitens S IV fast alle Wünsche technischer Art erfüllt .....!! 

Dank meiner "sprachgesteuerten automatischen Oma" !!!!!

 
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Erlebnis 2:

 

   .... wie ich dann doch noch einen behördeneigenen AW bekam  

 

Es war (ist?) üblich, dass einem neuen Behördenleiter (hier: Polizeipräsident = PP) nach Amtsübernahme alle Dienststellen im Hause vorgestellt werden.

So bekam auch ich in "meinem Reich" auf der vierten Etage Besuch vom Polizeipräsidenten (schneller als erwartet und erhofft).

Mehr als die gesamten technischen Geräte etc. in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle interessierte den PP der "große Kasten mit den Tonbandspulen" auf meinem Schreibtisch.

 

Auf seine Frage, welche Bewandtnis dieses Gerät habe, antwortete ich spontan: 

"Das ist meine automatische Oma. Eine Leihgabe der Firma K".

 

Nach dieser Antwort sah er mich mehr als befremdlich an, so dass ich mich sofort verbesserte und das Gerät als automatischen Anrufbeantworter bezeichnete.

 

Seine für mich verblüffende Antwort lautete sinngemäß:

"So modern ist wohl nur die Beratungsstelle – oder?"

 

Nun erlaubte ich mir den dezenten Hinweis, dass dies eine Leihgabe der Firma K sei, da mir die Verwaltung bisher eine derartige Anschaffung verweigert habe, obwohl aus vielerlei Hinsicht dringend erforderlich.

Nachdem er sich alles geduldig angehört hatte, war sein Kommentar kurz und präzise: "Legen sie bitte sofort einen erneuten Beschaffungsantrag über meinen Schreibtisch vor und geben diese Leihgabe mit entsprechendem Dank zurück." 

 

Gesagt, getan! Innerhalb einer Woche bekam ich einen Bestellschein von der Verwaltung und durfte mir einen "behördeneigenen Anrufbeantworter" anschaffen (kostete damals noch richtiges Geld !).

Dank "meines" PP war ich zum Vorreiter  aller anderen Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in NRW geworden, da diese mit dem Hinweis auf Duisburg, sich gleichfalls diesen "Luxus" leisten durften.

Durch eine Leihgabe und des Verständnisses meines PP konnte mich der Rat suchende Bürger Anfang der 70er Jahre bereits zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch an Wochenenden erreichen.

 

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5.

 

Eigene kuriose Verkehrsunfälle mit Polizeifahrzeugen   

1. 

"Kommen sie, Herr Wachtmeister, wir einigen uns hinten um die Ecke ..."

 

Spätherbst 1963 ... Kradstreife im Hochfelder Raum .... Spätnachmittag und Hauptverkehrszeit (auch damals gab es schon die sog. Rushhour!!) ... tätig im "Jagdrevier" der Kradstreifen auf der Brückenauffahrt der Rheinhauser Brücke über den Rhein (hier galt damals ein Tempolimit von 25 km/h und somit eine gute Gelegenheit seine Gebührenblocks mal wieder zu reduzieren).

 

Hier erreichte mich sinngemäß folgender Funkspruch von der Egon-Leitstelle:

"Egon 30/... fahren sie VU (Verkehrsunfall) mit Verletzten am Marientorplatz. Krankenwagen verständigt. Alle Egonwagen im Einsatz und nicht verfügbar."

 

Unsere Polizeikräder (500er BMW, noch ohne Verkleidung und das Funkgerät hoch auf dem Lenker montiert) besaßen weder Blaulicht noch Martinshorn. Also wie immer Scheinwerfer an, Daumen auf die Hupe und ab ging die Post!

 

Rasant ging es über die Rheinhauser Straße bis zur Kreuzung Wanheimer Straße. Hier bei "Rotlicht" nach links in die Wanheimer Straße abgebogen und Slalom fahrend um die Autos etc. in Richtung Altstadt. In Höhe der Gabelung Wanheimer Straße/ Heerstraße (hier noch kein Asphalt, sondern Großkopfpflaster) ein "Omachen", das verschreckt mitten auf der Fahrbahn verharrt.

Also rein in die "Eisen", der "Bock" schlingert, unwirsche Handbewegung zum "schnellen Verlassen" der Fahrbahn. Dann kleineren Gang rein und den "Bock" wieder "hochziehen" war reine Routine!

 

Annäherung mit mindestens Tempo 80 an die Einmündung Friedenstraße (dort noch keine Ampel, sondern "Stoppschild" auf der Friedenstraße) ....  schießt da doch ein "dicker Mercedes" aus der Friedenstraße und biegt sofort und scharf nach rechts in meine Fahrtrichtung ab ... ich wieder voll in die "Eisen" ... der "Bock" schleudert auf dem Pflaster und ist nicht mehr zu halten ... ein Aufprall unvermeidlich ... also wieder Vollgas und versuchen, rechts vorbei zu kommen ... mit der Schulter fast ein Verkehrszeichen hinter der Einmündung berührt ... doch der Mercedes zieht plötzlich auch nach rechts !!! ... mit voller Pulle in den spitzen Winkel Bordstein/Auto gehalten ... ... Abflug!!!!!! .... vorübergehend empfinde ich nur "Dunkelheit"...........

 

Irgendwie liege ich auf dem Gehweg, halb angelehnt in einem Hauseingang, viele Menschen um mich, rechter Arm und auch rechte Körperseite schmerzen, rechter Ärmel der Lederjacke im Ellenbogen- und Schulterbereich total "weggeschliffen", Armbanduhr zerbrochen, der Schulterriemen zum Koppel gerissen, ansonsten aber alles noch beweglich, nur der Schädel brummt gewaltig!!

 

Ein jüngerer Mann hilft mir mit folgenden Worten auf die Beine:  

"Ich bin Schuld. Habe sie zu spät gesehen und wollte noch Platz machen..... Kommen sie, Herr Wachtmeister, wir einigen uns hinten um die Ecke, denn da sieht uns keiner. Ich komme für den Schaden auf!"

 

Zusammen gingen wir etwa 20 Meter zurück zum Unfallort ... oha, oha ... jede Menge Schaulustige mit entsprechenden "gutachtlichten" Kommentaren ... am Krad der rechte Sturzbügel und Zylinderkopf verbogen bzw. abgerissen, Öl sickert in die Gosse .... das auf dem Lenker montierte Funkgerät ist "leicht verbogen" aber noch munter quäkend! 

 

Eigenunfall an "Egon" gemeldet, was von der Leitstelle bestätigt wurde, da bereits Anrufe über 110 erfolgt waren.....  

 

Der Unfallverursacher ist bis zum Eintreffen des "Unfallkommandos" emsig um mich bemüht und mehr als redselig. Immer wieder will er sich mit mir "hinten um die Ecke" einigen. So bemerke ich dessen ausgeprägte "Fahne". 

Er gibt auch sofort zu, mit Geschäftsfreunden nach einem Essen, wie es sich ja so gehört, ein paar Gläschen getrunken zu haben.

 

Müssen m.E. aber verdammt große bzw. viele Gläschen gewesen sein!!!  

 

Der Rest ist schnell erzählt:

Ich wurde kurz in einem nahe liegenden Krankenhaus untersucht (Transport mittels Streifenwagen !!) ... außer einer Leber- und Rippenprellung (wahrscheinlich vom Funkgerät) und Hautabschürfung am rechten Ellenbogen keine weiteren Blessuren und deshalb sofortige Entlassung... 

Nebenan wurde der Unfallverursacher "gezapft" (!!)

 

Nach einer Woche wieder "dienstfähig" und selbstverständlich auch wieder Kradfahrer mit "Leib und Seele" ... 

 

Der Unfallverursacher (es handelte sich hierbei um den Juniorchef einer heute nicht mehr existenten Lebensmittelfirma aus Hochfeld) hatte rund 1,7 Promille im Blut und später einen sehr, sehr milden Richter (kleine Geldbuße, drei Monate Führerscheinentzug – in der heutigen Zeit undenkbar!!!).

 

Eigene Gedanken hierzu: 

Hatten etwa die schnelle Schadensregulierung und die Zahlung eines Schmerzensgeldes an mich den Richter so gnädig gestimmt?? Leider habe ich an der Verhandlung nicht persönlich teilnehmen können, da ich bedingt durch einen Lehrgang außerhalb Duisburgs an dem dortigen Standort richterlich gehört wurde!!

 

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2.

         " .... da kamen wir doch gerade her ...."

 

Ein an sich sehr ruhiger Nachtdienst im Frühjahr 1964 mit dem POM "G", einem im Dienst ergrauten und unerschütterlichem Obermeister "alter Art".

Nach einer letzten Rundfahrt mit unserem "Egon 33/... (VW-Käfer) durch Neuenkamp, so gegen 07:00 Uhr, nunmehr auf der Rückfahrt über die Essenberger Straße in Richtung "Stall" (Polizeipräsidium).

 

Kurz vor der Einmündung Marientorstraße / Schifferstraße und Essenberger Straße (keine Ampel wie heute und die Schifferstraße bzw. Marientorstraße vorfahrtberechtigt) brummt mein Streifenführer POM "G" mich mit den Worten an: "Dreh noch ne Runde durch den Innenhafen, sonst sind wir zu früh im Stall und du weißt doch, der H... ist der WuE (Wach- und Einsatzführer) und meckert sonst".

Also links eingeordnet, um nach links in die Schifferstraße zu fahren und an der gedachten Haltelinie auch tatsächlich angehalten – wir hatten ja Zeit. 

 

Beide schauten wir nach links, da von dort der Bus nach Neuenkamp (Linie 36) sich näherte. Bevor der Bus nun nach rechts in die Essenberger Straße einbog, gab es einen fürchterlichen Knall und einen noch stärkeren Ruck......!

 

Mein Streifenführer und ich sahen plötzlich und unerwartet auf die Essenberger Straße in Richtung Neuenkamp!!

Erste "fu...trockene" Reaktion des POM "G": 

"Wat soll dat. Da kommen wir doch her!"

Ich dagegen hatte das berechtigte Gefühl, dass unser Streifen- wagen erheblich "tiefer gelegt" war und betätigte erst einmal den Schalter für das Blaulicht und öffnete die Tür. Verdammt nahe die Straße und das Aussteigen fast unmöglich!

 

Kurzer Rundblick mit der Feststellung, dass wir tatsächlich wieder in Richtung Neuenkamp standen, die Vorderräder unseres Streifenwagens im wahrsten Sinne des Wortes fast "abgeknickt" waren und er so gut wie "auf der Schnauze" lag.

Rechts von uns, an bzw. in der Haltestelle der Linie 36 ein mittelgroßer Lieferwagen mit holländischem Kennzeichen, vorn links ganz schön verbeult. Die paar dort wartenden Fahrgäste zu Salzsäulen erstarrt.

Was um himmels Willen war passiert?? Erst einmal den eigenen VU der Leitstelle gemeldet (und das vor dem unmittelbaren Dienstende!!) und die Lage "gepeilt"!

 

Aussage des Busfahrers: "Ich hab das kommen sehen! Der da wollte noch vor mir von der Marientorstraße in die Essenberger Straße. Der hat euch glattweg übersehen und ist in euch reingebrettert."

 

Der holländische Kraftfahrer: "Ik har de Auto van die Polis niet gesiehn! Entschuldigung."

 

Alles klar!! Waren wir mit einer Tarnkappe unterwegs gewesen?? Einen grünweißen Streifenwagen einfach so "übersehen"??

 

Das anschließende Procedere (Unfallaufnahme durch die Kollegen - schon vom Frühdienst), unsere Äußerungen in zigfacher Ausfertigung schreiben und und .... (einem Insider wohl bestens vertraut!!) hat uns noch etliche Zeit in Anspruch genommen.

 

Eines bleibt mir unvergessen:  

Unser WuE, der "liebe H...." (kein Führerschein und musste sich zum Unfallort fahren lassen – so etwas gab es auch!!), schnauzte mich lautstark vor all den Schaulustigen mit folgenden Worten an:  

"Gerade erst Hauptwachtmeister geworden. Zu dämlich ein Auto zu fahren. Und dann auch noch vor Dienstschluss einen Unfall bauen."

Keinerlei Fragen nach eventuellen Verletzungen bei uns usw.!

 

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4. 

 

Missverständliche Dialoge zwischen Polizei und Bürger ..... 

 

1.

Nachtdienst in der Wache "Rathaus" (1962)

 

Ein aufgeregter Bürger betritt die Wache Rathaus, um eine Anzeige zu erstatten. Da der wachhabende Beamte mit eingehenden Telefonanrufen "kämpfte" (die eingehenden Anrufe mussten damals noch per Hand am "Klappenschrank gestöpselt", d.h., verbunden werden!!), nahm sich ein "wachfreier", älterer und immer "diensteifriger" Beamter des aufgeregten Bürgers an.

 

Es entwickelte sich nachfolgender Dialog:

Beamter: "Kann ich SIE helfen?"

Bürger: Nach einem irritierten Blick auf den Beamten erfolgte die knappe Antwort  "IHNEN".

Beamter: "Nein, nein nicht MICH! Ich will SIE doch helfen!"

 

Nach diesem "missverständlichen Dialog" verließ ich schnell den Wachraum, ohne mich "schulmeisterisch" einzumischen. In irgendeiner Form haben sich der hilfsbereite und dienstbeflissene Kollege und der geschädigte Bürger geeinigt und die Anzeige wurde formvollendet aufgenommen!

 

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2. 

.... habe aber keine PENUNZEN ....

 

Als Kradfahrer im Frühdienst (1963) wurde ich per Funk zur Unterstützung einer Fußstreife in Duisburg-Hochfeld geschickt.

 

An der Kreuzung Heerstraße / Rheinhauser Straße sah ich dann schon den zu "unterstützenden" Kollegen an einem PKW stehen, heftig redend und dabei gestikulierend.  

Ich bockte mein Krad auf, meldete der Egon-Leitstelle mein Eintreffen und ging zur "Einsatzstelle".

 

Der Kollege, bekannt für seine etwas "seltsame Ausdrucksweise" und auch entsprechender Wortwahl, empfing mich sinngemäß mit den nachfolgenden Worten:

 

"Biste aber schnell gekommen, Jungchen! Der da im Autochen is sich bei rot iber Ampel gefahren. Hat wohl die Fleppen (Führerschein und Kfz-Schein) vorgezeigt. Wollte ich Gebihrenflichtige machen. Will sich nicht. Rückt sich nicht die PENUNZEN raus. Machste jetzt Anzeige gegen ihn, Jungchen!"

 

Schmunzelnd wandte ich mich an den "Übeltäter" im PKW und "übersetzte" das "Begehren" meines Kollegen und klärte ihn über die weiter gehenden Folgen einer Anzeige auf, wenn er die gebührenpflichtige Verwarnung ablehnen würde.

 

Die nachfolgende Antwort des "Übeltäters" überraschte mich dann doch:   

"Klar doch. Zahle sofort die Gebührenpflichtige, habe aber keine PENUNZEN

bei mir. Ich gehe aber sofort rüber zur Sparkasse und tausche ein!"

 

Nun konnte ich mir ein Lachen nicht mehr verbeißen und machte dem Fahrer klar, dass der Kollege die normale also übliche Währung meint und für die "Rotlichtsünde" lediglich nur einen "Heiermann" (hier geläufige Ausdrucksweise für fünf Mark !) haben möchte!

 

Nun war der Friede wieder hergestellt und alle Missverständnisse ausgeräumt. Ich konnte meine Streifenfahrt fortsetzen und war von einer Anzeigenaufnahme "befreit" !!

 

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3.

 

Wie mich ein Informant in "Schwulitäten" brachte .... 

(wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen)  

 

So gegen Ende der sechziger Jahre fand ich bei der Kripo Verwendung bei der sog. Sitte. Zu dieser Zeit war die Homosexualität nach dem Strafgesetzbuch verfolgt und somit auch strafbar.

 

Diese Sachbearbeitung wurde seinerzeit an die jüngsten Sachbearbeiter im Kommissariat übertragen.Wie üblich hatte man -wie es sich für einen guten Ermittler gehörte- einen oder mehrere Informanten (auch Vertrauenspersonen, V-Personen, Zuträger usw. genannt) aus diesem Milieu bzw. dieser Szene.

 

So ergab es sich, dass ich mit einem derartigen Informanten dummer Weise (aus heutiger Sicht!) ausgerechnet in der Kantine des Polizeipräsidiums traf.  

Die damalige Kantine befand sich im Kellergeschoss, war baulich an einer Seite mit sog. Sitz- und Tischnischen ausgestattet und damals in den Vormittagsstunden auch rege besucht.

Nach Betreten der Kantine wurden wir mit kritischen Blicken taxiert, zumal mein Informant etwas auffällig (heute würde man wohl poppig sagen) gekleidet war. 

 

Gottseidank war die letzte Nische am Ende der Kantine unbesetzt, so dass wir uns dort -außerhalb der Blicke der anwesenden Kantinenbesucher- "verkrümeln" konnten.

 

Mein Informant, in der Szene auch "P...a die verarmte Fürstin" genannt, ließ sich den von mir bestellten Kaffee schmecken und wir kamen "zur Sache". Im Verlaufe des nun folgenden Gespräches machte mir der Informant erregt (eifersüchtig??) den Vorwurf, dass er gehört habe, dass ich auch noch Kontakt zu einer anderen Person aus der Szene hätte.

Meine beschwichtigenden Argumentationen wollte er partout nicht folgen und steigerte "erregt" und somit lautstark seine Stimme, so dass die anwesenden Kantinenbesucher in unserer Nähe aufmerksam wurden und in Richtung "unserer" Nische schauten.  

 

Als dann seitens "P...a" lautstark folgende Worte  

"Ingo, wenn ich noch einmal davon höre, dann hau ich dir meinen Hüfthalter um die Ohren!"

folgten, herrschte plötzlich "lautlose Stille" in der Kantine.

 

Ich lugte vorsichtig um die Ecke der Nische und sah in "feixende" und "erwartungsvolle" Gesichter meiner Kollegen.  

 

Das etwas "aus dem Ruder" gelaufene Informationsgespräch mit "P...a" wurde von mir abrupt abgebrochen, da ich nur noch eines wollte: die Kantine fluchtartig verlassen!

 

Ich sehe noch heute die "feixenden Gesichter" vor meinen Augen und habe auch noch die entsprechenden "Kommentare" meiner Kollegen in den Ohren.

Diese hier zu kommentieren wäre vermutlich "stark jugendgefährdend"!  

 

In der Folgezeit habe ich mich nie wieder mit einem Informanten in der Kantine getroffen, denn aus Schaden wird man klug.

 

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2.

Pressebericht des PP Duisburg mit "Salat und Grünzeug" versehen??  

(oder wie ich fast in Ungnade beim Polizeipräsidenten fiel .... )  

 

So etwa Anfang der siebziger Jahre hatten der Leiter -S- und Leiter -K- (Leiter der Schutz- bzw. Kriminalpolizei) die nicht von der Hand zu weisende Idee, dass die Pressestelle des Polizeipräsidiums auch durch einen Beamten der Kriminalpolizei zu besetzen sei (paritätische Zusammenarbeit war die offizielle Lesart - bis dahin kaum vorstellbar!).

 

Es muss hier zum besseren Verständnis angemerkt werden, dass bis zu diesem Zeitpunkt diese Pressestelle in Duisburg eine reine Domäne der Schutzpolizei war.  

  

So wurde ich von meinem Leiter -K- "ausgeguckt"  (hatte vermutlich durch meine Tätigkeit in der damaligen Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle genügend "Pressekontakte" etc. vorzuweisen ??)  und durfte fortan den Kollegen auf der Pressestelle bei Urlaub, Krankheit usw. "hauptamtlich vertreten"!

 

Welch eine "Ehre", saß ich doch in einem Büro fast direkt neben dem "großen Gemach" des "allmächtigen" Polizeipräsidenten! 

Gemäß den festgeschriebenen "Vorgaben" und anschließenden "Ritualen" (z.B. ohne zu vertippen zu schreiben, Vorlagemappe zu einer bestimmten Zeit zum Vorzimmer verbringen, die "rote Abzeichnung" bzw. Änderungswünsche - natürlich in "rot" - des PP abwarten usw. usw.) "werkelte" ich mich zur Zufriedenheit aller ein.

 

Eines Tages sprach mich dann ein Kegelbruder aus dem "Kripokegelklub" an, der als "Externer" zu uns gefunden hatte. 

 

Dieser Kegelbruder, ein ausgefuchster Journalist und Lokalredakteur einer namhaften Zeitung, brachte es mit den Worten  "... sitzt ja jetzt auf der Pressestelle. Nach wie vordiese drögen Berichte an uns im typischen "Beamtendeutsch". Mach es doch mal "lockerer" und formulier doch mal mit einem bisschen "Salat und Grünzeug drum herum"  auf den Punkt.

 

Es war für mich ein "Ehrensäbel" - insbesondere nach dem bereits genossenem Gerstensaft -, diese "Herausforderung" anzunehmen!

 

Gesagt - getan! Tags darauf formulierte ich dann den Pressebericht "locker flockig", also auch kleine Nebensächlichkeiten als Einlage ("Salat und Grünzeug drum herum", wie vom Journalistenfreund empfohlen) hinzufügend! Fühlte mich wie ein "Journalist von Gottes Gnaden"!!

Doch dieses Hochgefühl war nicht von langer Dauer, wurde ich doch kurze Zeit später lautstark und unmissverständlich vom PP in sein "großes Gemach" zitiert .....

 

Ersparen sie mir die Wiedergabe seiner Worte und die Schilderung meines Gemütszustandes (... ich war danach fast bereit, mich freiwillig dem Polizeiarzt zu "stellen", um mich auf "Polizeidiensttauglichkeit" untersuchen zu lassen ...).

 

Zur "Belohnung" für meinen "journalistischen Ausflug" durfte ich den Pressebericht neu (nach "Altväter Sitte" und in bestem "Beamtendeutsch") verfassen (vor lauter "Rotmarkierungen" war kaum noch etwas lesbar)!

 

Es sei noch angemerkt, dass mein "Ausritt in den Journalismus" KEINE dienstlichen Negativfolgen für mich hatte.

 

Eher umgekehrt, denn der PP und ich waren uns "menschlich" näher gekommen und wir verstanden uns bis zu seiner Pensionierung so gut, dass bei einigen "Oberverdachtschöpfern" im Präsidium der Verdacht aufkam "....der Rieger hat doch was mit dem PP".....!

 

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1.

Ich fahr doch mit der Linie "X" nach Düsseldorf ...

(eine "Schickermannstour" der besonderen Art)

 

Anfang der sechsiger Jahre ... wieder einmal Nachtdienst ... frühe Morgenstunden im Altstadtbereich ... ein "Päusken" an der damaligen Tankstelle am Marientorplatz "eingelegt"!  

 

Dennoch wird der sehr spärliche Straßenverkehr "streng und scharf" beobachtet! So fielen meinem Streifenführer (!) und mir ein VW mit einem Kennzeichen aus Düsseldorf auf, der schon zweimal seine "Kreise" um den Marientorplatz drehte und immer wieder ohne für uns ersichtlichen Grund sein Fahrzeug anhielt, weiter fuhr, anhielt, weiter fuhr ... etwa ortsunkundig (was ja sehr nahe lag)??? 

Oder ein  "Spätheimkehrer" aus einer Nachtbar, der nicht den "Dreh in Richtung Heimat findet"???

 

Nach der fünften oder sechsten "Umrundung" des Marientorplatzes mit den dubiosen "Zwischenstopps" war die Stunde des "polizei- lichen Einschreitens" gekommen! 

 

Streifenwagen starten und "Verfolgung" waren nun angesagt! Geduldig "drehten" wir zwei Runden mit entsprechenden "Zwischenstopps" mit, um dann das "polizeiliche Gegenüber" im VW zu überholen und formvollendet anzuhalten.

 

Nach Herantreten an die Fahrerseite, klopfen an die Seitenscheibe und Blick in das Wageninnere zeigte uns einen jungen Mann, der uns verständnislos und lächelnd anschaute. Da seitens dieses Fahrzeugführers keinerlei Anstalten zum Öffnen der Tür getroffen wurden, nahmen wir dieses selbst "in die Hand".

 

Mehr als überrascht waren wir über die folgenden Worte des jungen Mannes:  

"Na, auch noch zusteigen?"

 

Nun, wir sind nicht zugestiegen und mussten den Mann aus dem Wagen "helfen", da er es allein nicht schaffte. 

 

Seine nächsten "vorwurfvollen" Worte (allerdings mächtig lallend) lauteten sinngemäß:  

"Warum holt ihr mich denn aus der Straßenbahn ... bin doch fast zu Hause ... nur noch ein paar Stationen ... meinen Wagen hab ich bei meinen Kumpels stehen gelassen und die haben mir den Schlüssel weggenommen ... hab ja mächtig einen in den Hacken."

 

Der folgende Ablauf war dann reine Routine: auf einen Alcotest wurde aus naheliegenden Gründen verzichtet, sofort zum nächstgelegenen Krankenhaus zum "zapfen" (Blutprobe), Führerschein und Fahrzeug sichergestellt und und ..... und ....

 

Wochen (oder Monate?) später bei der Gerichtsverhandlung stellte sich dann nachfolgender Sachverhalt heraus:

Der nächtliche Fahrer hatte mit seinen Freunden anlässlich einer Geburtstagsfeier kräftig "einen zur Brust" genommen. Da er noch unbedingt nach Düsseldorf zurück wollte, nahmen ihm seine Freunde den Fahrzeugschlüssel weg und brachten ihn zu Fuß zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. 

Dort wartete man allerdings NICHT das Eintreffen der nächsten Bahn ab und überließ den Freund einsam und allein der "dunklen Nacht".

Irgendwie fand der "einsam Zurückgelassene" den Zweitschlüssel zu seinem Auto in seinen Taschen und sogar sein geparktes Auto (und das bei weit über zwei Promille!!).

 

Erinnerungen an den weiteren Ablauf hatte der nun Angeklagte keine mehr, was ihm Staatsanwalt und Richter nach unseren Zeugenaussagen dann auch glaubten.    

 

Strafe und Entzug der Fahrerlaubnis waren  - nach heutigen Maßstäben - sehr, sehr mild!! 

 

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